Hauptmenü

 

wildgehölze

 

Kontakte

 

Sonstige

 
Sie befinden sich hier: Startseite Über die AG
 
Arbeitsgemeinschaft "Wildgehölze" PDF Drucken E-Mail

 

Seit einigen Jahren versuchen Naturschützer, Landschaftspfleger, Gartenfachleute und Politiker eine breite Öffentlichkeit für ökologische Belange zu interessieren. Hierzu gehört neben Anderem die Förderung einheimischer Pflanzen, welche gegenüber fremdländischen Pflanzen einen bedeutend höheren ökologischen Wert besitzen. So hat man festgestellt, daß einheimische Pflanzen von ungleich mehr Tieren, von Insekten, Vögeln und Kleinsäugern besucht und als Futterpflanzen und Unterschlupf benutzt werden, als fremde Pflanzen. Gleiches gilt für Laubgehölze gegenüber Nadelgehölzen.

Auch die Kleingartenorganisationen mit ihrem Bundesverband, dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V., mit ihren Landes-, Kreis- und Stadtverbänden bis zu den Kleingärtnervereinen, versuchen den ökologischen Nutzen von Kleingartenanlagen als Bestandteil des öffentlichen Grüns im Bewußtsein und damit im Handeln eines jeden Gartenfreundes zu verankern.

Der BDG hat schon vor Jahren in Schulungsveranstaltungen und in seinen Publikationen wie zum Beispiel in seinem offiziellen Fachorgan, dem "Der Fachberater", diese Fragen behandelt. Der BDG gibt aus dem Internet herunterladbare Merkblätter zu Gartenthemen heraus. Die "Grüne Schriftenreihe" des BDG, als laufende Dokumentation der Schulungsveranstaltungen auf Bundesebene, wird über die Landesverbände jedem Kleingartenverein zugänglich gemacht und soll von dort über die Fachberater an den Kleingärtner herangebracht werden. Auch die Bayerische Gartenakademie, um nur eine weitere Möglichkeit zur Information zu nennen, stellt im Internet Beiträge zu der Thematik zur Verfügung. Daneben gibt es ungezählte, wertvolle Fachbücher und Zeitschriften, welche eine Basis jeder Vereinsbücherei sein sollten.

Die Bezirksgruppe Saarbrücken der Kleingärtner e.V. hat mit Unterstützung des Landesverbandes Saarland der Kleingärtner e.V. am 19.09.1998 auf Anregung ihres früheren Fachberaters, Herrn Albert Praum, zur Aktion Zehnjahresprogramm "Wildgehölze und Wildobst in Kleingärten statt Koniferen und Thuja" aufgerufen.

Ziel der Aktion ist, in den nächsten Jahren die zur Bezirksgruppe gehörenden Kleingartenanlagen durch Pflanzen heimischer Sträucher und Obstgehölze naturnah umzugestalten, wobei auch und vor allem die Flächen außerhalb der eigentlichen Parzellen einbezogen werden.

Dabei sollen allmählich und behutsam Nadelgehölze, Koniferen und Thuja, herausgenommen werden. Keinesfalls wird hierbei jemand durch Fällen von serbischen Fichten und radikalem Herausreißen von Thujahecken oder der beliebten Rhododendron provoziert werden.

Bei einem Pächterwechsel allerdings wird dem scheidenden Pächter die Auflage gemacht werden müssen, nicht zulässigen Bewuchs auf seine Kosten zu beseitigen, genauso wie Rückbau nicht zulässiger Bauten und Oberflächenversiegelungen. Denn nach der sich auf das Bundeskleingartengesetz stützenden Gartenordnung der Landeshauptstadt Saarbrücken, welche Vertragsbestandteil eines jeden Einzelpachtvertrages ist, sind Koniferen und Thuja in den Kleingärten nicht zulässig. Hier sind die Schätzer des Landesverbandes und der Generalpächter gefordert.

Das Echo in den Vereinen auf diesen Aufruf war anfangs sehr hoch. Beim ersten Treffen kamen über 30 interessierte Mitmacher. Inzwischen haben sich endgültig vier Vereine zusammen gefunden, welche die Aktion tragen wollen. Wir konnten vier namhafte Fachleute als Referenten und die Aktion begleitende Betreuer gewinnen.

Jeder der vier mitmachenden Vereine hat sich eine Patenpflanze ausgesucht und einen Koordinator/in mit Stellvetreter/in bestellt. Diese sollen die Ziele der Aktion in die Vereine tragen, die Vereinsvorstände mit ihren Fachberatern unterstützen, um dort für die aktive Mitarbeit der Gartenfreunde zu werben.

Bei den mitmachenden Vereinen handelt es sich um:

Bild: Schwarzer Holunder © 2004 A.SchlouckVerein Saarbrücken 1, Patenpflanze der Schwarze Holunder - Sambucus nigra,

Verein Mockenhübel, Patenpflanze die Haselnuß - Corylus avellana,

Verein Saarland, Patenpflanze die Schlehe oder der Schwarzdorn, Prunus - spinosa, Verein

Dudweiler Wiesental, Patenpflanze die Eberesche oder die Vogelbeere, Sorbus aucuparia.

 Die Mitmacher treffen sich im Allgemeinen einmal im Monat, in den Anlagen der mitmachenden Vereine. Die Treffen sind offen für jedermann. Es werden Informationen über die Aktivitäten in den Vereinen ausgetauscht und das weitere Vorgehen besprochen und abgestimmt.

Es fanden so in 1999 zwölf Arbeitssitzungen statt, in 2000 bisher 7. Es wurde je ein Baumschnittkurs in 1999 und 2000 durchgeführt, geleitet von Herrn Werner Caspari.

Die vier Referenten haben im Rahmen der Treffen jeweils einen sehr informativen, lehrreichen Vortrag zu unserem Arbeitsprogramm gehalten.

So hielt Herr Dipl.-Ing. Robert Weber am 26.02.1999 seinen Einführungsvortrag. Er ging hierbei zunächst auf die Ziele der Aktion Wildgehölze und Wildobst in Kleingartenanlagen ein.

Er gab eine allgemeine Definition: Wildgehölze was ist das?

Er sprach über: Möglichkeiten der Verwendung der Wildgehölze, Gestaltung des einzelnen Kleingartens, Funktion der Kleingartenanlage als Bestandteil des öffentlichen Grüns, den Nutzen von Wildgehölzen, die ökologische Wirkung der Wildgehölze, über Wildgehölzhecken, Schnitthecken, freiwachsende Hecken und blühende Hecken, über Wildobst und die Gründe zum Pflanzen von Wildobst. Mit dem Scriptum gab er aufschlußreiche Listen anhand über Wildobstsorten, eine Übersicht über Wildgehölze als Futter und Unterschlupf für Tiere, und eine Übersicht über verschiedene Standorte mit Pflanzenliste.

Am 19.03.1999 stellte Herr Dipl.-Ing. Nicholas Weiser - Folz in seinem Referat verschiedene Pflanzenfamilien mit den jeweils wichtigsten Arten und ihren Merkmalen und Besonderheiten vor:

Die Gattung Sambucus aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae) mit den Arten:

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Kanadischer Holunder (Sambucus canadensis), Roter Holunder ( Sambucus racemosa).

Die Gattung Corylus aus der Familie der Birkengewächse (Betulaceae) mit den Arten:

 Haselstrauch, Haselnuß (Corylus avellana), Rotblättrige Zellernuß (Corylus avellana ”Fuscoruba”), Echte Bluthasel ( Corylus maxima ”Purpurea”) Korkenzieherhasel (Corylus avellana ”Contorta”), Baumhasel (Corylus colurna).

Die Gattung Sorbus aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) mit den Arten:

Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Mährische Eberesche (Sorbus aucuparia moravia ”Edulis”), Speierling (Sorbus domestica), Mehlbeere (Sorbus aria) und Elsbeere (Sorbus torminalis),

und eine Auflistung verschiedener fremdländischer Arten.

Die Gattung Prunus aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) mit der Art: Schlehe oder Schwarzdorn (Prunus spinosa)

Am 23.04 1999 sprach Herr Dipl.-Ing. Werner Caspari über das Thema Sträucher. Hierbei behandelte er Einzelheiten über die Themen: Was ist ein Strauch - Wichtige Strukturelemente - Zierwert und Nutzwert - Pflege von Sträuchern und der Schnitt von Sträuchern.

Am 03.03.2000 schließlich konnte Frau Monika Klasen ihr Referat zum Thema Wildsträucher und Früchte im Garten halten. Sie sprach zunächst über die ökologische Bedeutung heimischer Gehölze für die Erhaltung der Artenvielfalt bei unserer Tierwelt, bei Insekten, Vögeln, Kleinsäugetieren. Beispielhaft sprach sie über die Wildrose (Rosa canina), die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) den Schwarzen Holunder (Sambucus nigra). Sie gab uns eine Sammlung von Rezepten zum Nachbereiten oder Nachkochen anhand. Erstaunlich was da alles aus dem Erfahrungsschatz unserer Großeltern an Rezepten für köstliche Gelees, Marmeladen, erfrischende Getränke, Obstweine, Schnäpse, Gebäck zusammengetragen ist, über Schlehen, Holunder, Hagebutten, Vogelbeeren, Felsenbirne und andere mehr.

Es darf nicht unerwähnt bleiben die Veranstaltung des Landesverbandes Saarland der Kleingärtner e.V. im Landesverbands-Lehrgarten in Altenkessel, betreut von Frau Dipl.-Geol. Adrienne Blaes, der Landesfachberaterin am 26.06.1999. Hierbei wurde eine Beispielhecke gepflanzt und es wurden Kostproben von Wildfruchtmarmeladen und -gelees sowie Weine und Spirituosen aus Wildfrüchten gereicht.

Als Abschluß der Jahresarbeit 1999 hatte uns der Gartenfreund Werner Caspari zu einer Probe von Wein aus Wildfrucht und Schnaps aus Wildfrucht in sein Haus nach St.Wendel eingeladen, der wir gerne gefolgt sind.

Bild: Pflanzung des Speierlings in der Anlage Saarbrücken 1Schon im Jahre 1993 war der Speierling, Sorbus Domestica, Baum des Jahres. Der Speierling ist ein naher Verwandter der Eberesche. Er ist einer der seltenen "männlichen Bäume" der Deutschen Sprache. Er ist vom Aussterben bedroht. In Weinbaugebieten wurde er früher kultiviert. Im Frankfurter Raum wird der Saft aus seiner Frucht heute noch zur Geschmacksverbesserung beim Ausbau des "Äppelwoi" zugesetzt.

Speierlingsbestände sind bekannt im Elsaß und im Raum Trier. Umfangreiche Bestände finden sich auch in Baden-Württemberg, die größten in Bayern.

 Im Saarland kommt der Speierling praktisch nicht vor. Der Baum ist in Deutschland sehr selten geworden. Der Rückgang ist in dem vor etwa 150 Jahren in der Forstwirtschaft eingeführten "Hochwaldsystem" begründet. In den letzten Jahren befassen sich die Baumschulen auch im Saarland wieder mit der Anzucht von Sämlingen des Speierling. Man versucht so den bisher bedrohten Baum zu retten. Wir wollten als Kleingärtner unseren Beitrag hierzu leisten und konnten dank der Unterstützung durch den Stadtverband Saarbrücken in den Anlagen der vier Mitmachervereine am Tag des Baumes 2000 je einen Speierling pflanzen.

Wir werden Ende September 2000 nach Trier fahren und dort in Begleitung des Leiters des dortigen Grün-flächenamtes und des Vorstandes des Stadtverbandes Trier der Kleingärtner eine Speierlingspflanzung, welche teilweise Naturdenkmal ist, besuchen.

Unsere Schulungsabende sind für jedermann offen. Neue Mitmacher sind uns immer herzlich willkommen. Wir bitten die Vereinsvorstände und deren Fachberater uns zu unterstützen und die noch abseits stehenden Vereine mal bei uns hereinzuschauen um sich zu informieren und an der Aktion Wildgehölze und Wildobst zu beteiligen.

Noch eine organisatorische Anmerkung: Der langjährige Fachberater beim Landesverband, bei der Bezirksgruppe, bei verschiedenen Vereinen, Herr Albert Praum, welcher die Aktion "Wildgehölze und Wildobst in Kleingärten" im Wesentlichen initiiert hatte, hat inzwischen aus gesundheitlichen Gründen alle seine Funktionen in der Organisation der Kleingärtner, auch die Leitung dieses Programms, aufgegeben.

Wenn Sie Fragen haben, fragen die Vorstandsmitglieder der Bezirksgruppe, Ihre Vereinsvorstände oder direkt die Koordinatoren/innen der Mitmachergruppe.

 

Referat von Dipl.-Ing. Gustav Hemmerling vom 08.09.2000 anlässlich des Besuches von Herrn Dr. Wahrheit an der Vorstandssitzung in der Geschäftsstelle

 
 
Copyright © 2010 Bezirksgruppe Saarbrücken der Kleingärtner e.V.. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.